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In der Gruft des Vampirs!
Geschrieben von Tipsy Spider   
Mittwoch, 24. September 2008

Freitag, 31.05.2002, 12 Uhr - mein Handy sagt mir, dass ich einen Anruf verpasst habe, und als ich die Mailbox abhöre wird mir noch heißer als es mir ohnehin an diesem sonnigen Tag schon ist! Klaus Zimmermann von Stella teilt mir nämlich mit, dass ich um 18:00 Uhr einen Interviewtermin mit Kevin Tarte im SI-Centrum Stuttgart habe. Nix wie ans Telefon, Hotelzimmer reserviert, Klamotten in den Koffer, Aufnahmegerät und Kassette kontrolliert, Auto aufgetankt und mit der Musik vom TANZ DER VAMPIRE im CD-Player auf die Autobahn. Dass dieser Freitag ein "Brückentag" ist, und dass irgendein Fußballspiel an diesem Nachmittag stattfindet, erweißt sich als sehr günstig, denn bereits um 16:30 beziehe ich mein Hotelzimmer und nehme erst mal ne eiskalte Dusche. Dann ist es soweit - endlich treffe ich den Mann, der schon seit der Stuttgarter TdV-Premiere den Grafen von Krolock spielt...

Tipsy Spider (TS): Du spielst den Krolock nun schon seit der Premiere - was fasziniert dich an der Gestalt des Vampir-Grafen so sehr, dass du deinen Vertrag schon zweimal verlängert hast?

Kevin Tarte (KT:): Ich wollte immer einen Vampir spielen, seit ich im Schultheater meine Faszination für Vampire entdeckte. Nur ahnte ich damals nicht, dass es einmal ein so tolles Musical geben würde. Es ist die geniale Zusammenstellung der Figur, die mich reizt, der Facettenreichtum. Krolock ist machtvoll, erotisch, schrill, dunkel und trotzdem sympathisch. Dazu kommt die gigantische gesanglich Herausforderung. Für mich als klassisch ausgebildeten Sänger ist diese Rolle die perfekte Kombination.

TS: Wie hast du dich auf die Rolle des Grafen vorbereitet ? Hast du dir den alten Polanski-Film angesehen?

KT: Ja. Ich habe mir alle Vampirfilme, die ich in die Finger bekam angesehen und sogar einen Abstecher nach LA und in die Filmbibliothek in Hollywood gemacht. Aber ich habe auch Bram Stokers Dracula und die Bücher von Anne Rice Bücher gelesen.

TS: Hast du eine Lieblingsszene?

KT: Mehrere. Aber das Finale des 1. Akts liebe ich. Diese Stelle von Friedrich Nietzsche (singt): "Sink mit mir ins Meer der Zeit..." überhaupt die ganze Zusammenstellung des Finales ist einfach toll zu spielen und zu singen. Und einfach richtig purer Spaß komplett mit Biss ist die große Bühnenszene im 2. Akt, das Tanzsaalfinale.

TS: Gibt's eine Szene, die du am liebsten streichen würdest?

Kevin (lacht): Von meinem Part keine! Aber BÜCHER ! 100.000 Bücher. Wenn diese schreckliche Plastikbibliothek auf die Bühne rollt - das ist so furchtbar. Aber es ist ein wichtiger Moment für die Handlung, doch den Anfang der Szene finde ich nur bedauerlich.

TS: Würdest du gerne einmal eine der anderen Rollen spielen? Den Professor oder vielleicht Alfred?

KT: Ja, schon. Den Professor. Ich glaube meine Alfred-Tage sind vorbei. Früher habe ich immer solche Rollen wie den Alfred gespielt. Den jungen, trotzigen Liebhaber. Das waren immer meine Parts. Aber heute würde ich auf jeden Fall den Professor gerne spielen.

TS: Würde es dich reizen, den Krolock am Broadway zu spielen?

KT: Oh ja natürlich, für mich als Amerikaner wäre es eine große Ehre und schon ein Traum. Das Stück wird anders werden als hier in Europa, doch es interessiert mich natürlich sehr, was mit der Rolle des Grafen passieren wird und wieviel von der Musik noch übrig bleibt. Ich weiß nicht ob es wahr ist, doch habe ich gehört, dass gesangsmäßig einiges an der Rolle gestrichen werden soll und es viel mehr Dialoge geben wird. Ich als Sänger finde das natürlich schade, doch Herr Crawford wird schon wissen was er tut.

TS: Was hältst du davon, dass viele der Songs "recycelt" wurden ?

KT: Eigentlich finde ich es ganz normal auf Bewährtes zurückzugreifen. Wenn man zurückblickt, kann man sehen, dass die großen Komponisten wie Bach, Händel, Schubert, Maler, Mendelssohn, Beethoven und auch Mozart bei neuen Kompositionen auch immer wieder auf ihre früheren Werke zurückgegriffen haben. Ich halte das für gescheit - denn man kocht doch immer mit den besten Zutaten?

TS: Hat Kevin Tarte eine "dunkle Seite" ?

KT: Nein, ich denke nicht, dass ich in diesem Leben eine dunkle Seite habe, aber vielleicht in meinem vergangen Leben. Ich glaube sehr stark an Wiedergeburt und habe so eine Ahnung, dass ich schon einmal ein dunkles Leben gelebt haben. Daher kommt vielleicht auch meine Faszination für dunkle Figuren.
Doch in diesem Leben bin ich keine dunkle Figur, kein dunkler Typ. Ich wurde während meiner gesamten Laufbahn Sonnyboy genannt bis ich dann Gaston, das Biest und Krolock, also eine "böse" Rolle nach der anderen gespielt habe.

TS: Hältst du "Unsterblichkeit" für wünschenswert? Ist sie für dich Fluch oder Segen?

Kevin (sehr spontan): Absolut Fluch. Ganz furchtbar.

TS: Kannst du Blut sehen ?

KT: Ja.

TS: Du hast Musik studiert und klassischen Gesang - gibt es eine Opernrolle die du gerne spielen würden.

KT: Ich habe schon einige Opernrollen gespielt. Doch vom jetzigen Standpunkt aus gesehen, würde ich gerne noch einige Operetten spielen. Den "Danilo" in der Lustigen Witwe oder den "Eisenstein" in der Fledermaus.

TS: Gibt es ein Opernhaus an dem du gerne arbeiten würdest? (z.B. Met oder Scala)?

KT: Das Haus ist mir nicht so wichtig. Um an der MET zu singen hätte ich meinen Lebenslauf anders gestalten müssen. Von da wo ich jetzt bin zur MET wäre schon ein ganz schön großer Sprung. Deshalb mache ich mir keine Gedanken über bestimmte Häuser, sondern eher um die Rollen.

TS: Wäre ein Ausflug in die Rockmusik für dich denkbar?

KT: Rockmusik?! Jain ... um ein paar Lieder auszuprobieren ja, aber mich als Rocksänger zu verkaufen, nein. Pop- und Schlagersachen habe ich in den letzen Jahren schon gemacht, aber richtig Rock'n'Roll könnte ich mir nicht antun. Obwohl ich einen großen Respekt vor Rocksängern habe. Nur ich würde da nicht gut reinpassen.

TS: Zurück zum Musical: Gibt es eine Rolle die du unbedingt noch spielen möchtest?

KT: Das Phantom. Das Phantom würde ich doch sehr gerne spielen! Das auf jeden Fall.

TS: Warum gerade diese Rolle?

KT: Das Phantom ist eine eindrucksvolle Figur mit vielen verschiedenen Facetten, die mich interessieren und es ist eine wunderschöne Kombination von Gesang und Schauspiel.

TS: Gibt es ein Stück von dem du sagst: "Niemals. Das spiele ich nicht"?

KT: Ja, sogar mehrere. Allerdings nicht weil ich das Stück nicht mag, sondern weil ich einfach nicht mehr in die Rolle passe. Zu sagen ein Stück wäre zu schlecht, bringts nicht, denn ein Stück, das mir nicht gefällt kann trotzdem ein tolles Stück sein.

TS: Kannst du dir vorstellen irgendwann einmal zum Kreativ-Team zu gehören, anstatt auf der Bühne zu stehen?

KT: Sagen wir so. Ich könnte mir vorstellen, Sängern zu helfen. D.h. Gesangslehrer oder Coach zu sein. Oder jungen Darstellern Dinge beizubringen, die sie benötigen, um in dieser Branche richtig Erfolg zu haben.

TS: von Krolock prophezeit den Sterblichen, dass die unstillbare Gier der einzige Gott sei, dem sie bald alle dienen würden. Was prophezeit Kevin Tarte den Vampiren bzw. dem "Tanz der Vampire" für die Zukunft?

KT: Dass TANZ DER VAMPIRE weiterhin sehr viel Erfolg haben wird ...

(c) Tipsy Spider/ Ulrike Wyche (2002)

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 25. September 2008 )
 
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